Interview mit Judith von der Apotheke

Veröffentlicht am 17.05.2020 in Interview

Als Jusos haben wir beschlossen, verschieden Betreiber von gastronomischen Einrichtungen in Ulm zu interviewen. Am vergangen Freitag habe ich mit Judith gesprochen. Gemeinsam mit Melli betreibt sie die Apotheke am Zundeltor. Hier kann man normalerweise frühstücken, einen Kaffee mit Kuchen genießen oder ein Bier trinken, es gibt Bücher zu kaufen und mittwochs wird ein Mittagstisch angeboten.

Judith und ich treffen uns persönlich in der Apotheke – wir sind nur zu zweit und verletzen somit keine Auflagen.

Judith wirkt erschöpft und tatsächlich erfahre ich aus ihren Erzählungen, dass ihr durch die Corona-Krise ein Stück weit die Kraft ausgegangen ist. Doch lest selbst, was Judith mir zu berichten hat.

„Als es darum ging die Apotheke ins Leben zu rufen, war dieser Prozess bereits mit hohen Anstrengungen verbunden. Kaum hatten wir das Crowdfunding-Projekt erfolgreich gestemmt, ging es natürlich darum, den Laden zum Laufen zu bringen und ihn am Laufen zu halten – auch das war nicht immer ein einfaches Unterfangen.

Im März haben wir richtig guten Umsatz gemacht, wir waren alle sehr positiv gestimmt. Es war zum Beispiel geplant einen Koch für den Mittagstisch einzustellen. Doch dann kam die Hiobsbotschaft der Schließung aufgrund von Corona. Es war als platzte eine Seifenblase. Über viele Monate hinweg waren wir kreativ im Umgang mit unterschiedlichsten Situationen gewesen, doch jetzt war die Luft einfach raus. Melli und ich haben uns in den letzten Wochen sehr zurückgezogen und mussten erst einmal verarbeiten, was durch den Lockdown gerade passiert.

Wir mussten unsere 450-Euro-Kräfte abmelden. Das war ein Schritt, der mir in der Seele weh tat, denn wir waren ein großartiges Team, in dem zwischenmenschlich alles gepasst hat. Einige der Mitarbeiter*innen haben sogar auf Gehalt verzichtet, um der Apotheke zu helfen. Auch zu unseren Gästen haben wir ein enges Verhältnis. Viele haben Gutscheine bei uns gekauft, manche sogar ungefragt gespendet. Das kann man nicht genug wertschätzen.

Im Moment stehen wir aufgrund einer Soforthilfe vom Land in Höhe von neuntausend Euro halbwegs gut da. Das liegt aber nur daran, dass wir unsere Kosten senken konnten. Neben der Abmeldung der geringfügig beschäftigten Kräfte gehört dazu auch die Aussetzung der Miete und der Kredittilgung bei der Bank. Ich habe darüber hinaus Sozialhilfe beantrag, denn ob Melli und ich uns irgendwann wieder ein Gehalt auszahlen können, das zum Leben reicht, steht noch in den Sternen. Denn machen wir uns nichts vor: sobald die Apotheke wieder öffnen kann, werden auch die laufenden Kosten wieder anfallen. Das Problem ist aber doch: insbesondere in einem kleinen Laden wie der Apotheke sind Auflagen wie Abstandsregelungen Killer für das Geschäft. Viele Pläne zielen momentan auch auf eine Ausweitung der Außenbestuhlung ab – und hier sehen wir momentan alt aus. Ein Antrag auf Genehmigung von Außenbestuhlung vor der Apotheke, den wir kürzlich beim städtischen Ordnungsamt gestellt haben, wurde aufgrund der Verkehrssituation abgelehnt. Ich wünsche mir hier ein stärkeres Entgegenkommen seitens der Stadt Ulm. Eine flexible Lösung für den Sommer ist dringend notwendig, denn für uns geht es schlicht ums Überleben.

Was uns außerdem hart trifft ist, dass wir voraussichtlich noch eine ganze Weile keine Abendveranstaltungen durchführen können. Diese sind jedoch unsere Haupteinnahmequelle. Wenn wir hierauf noch lange verzichten müssen und es keine weitere finanzielle Unterstützung gibt – was wir durchaus verstehen könnten, denn irgendwann sind die Töpfe eben leer – ist unklar, ob es die Apotheke weiterhin geben kann.“

 
 

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